Auch wenn diese Aufnahmen aus dem letzten Jahr sind, gibt es hier noch einmal ein schönes Tilt/Shift-Video von Keith Loutit. “The City of Samba” – zeigt seine Impressionen von Rio de Janeiro, vor und während des Karnevals.
Von solchen Bildern aus unseren “Karnevalshochburgen” können wir natürlich nur träumen.
Verwundert beobachteten wir den scheinbar mangelnden Widerstand in Japan, nach der Katstrophe von Fukushima. “Es ist halt eine andere Mentalität” wurde uns in den letzten Monaten erklärt.
Ja, es ist eine andere Mentalität – eine Kultur in der Kritik nicht erwünscht ist, weil sie als unschicklich gilt. Nichtdestotrotz regt sich nun langsam der Protest in der japanischen Gesellschaft. Waren es in den ersten Tagen noch wenige Hunderte, die durch Tokio zogen, gibt es ein halbes Jahr nach Fukushima immerhin schon 60.000.
Die Menschen wachen auf, die Vertuschung durch die Regierung und besonders durch den Betreiber TEPCO ist so offensichtlich, dass man, angesichts der dreisten Lügen, die der Öffentlichkeit aufgetischt werden, schon von einer Beleidigung des gesunden Menschenverstandes sprechen kann.
Der Widerstand war leise und ist, im Vergleich zu Europa, auch heute nur ein leises Flüstern. Doch, wie es aussieht wird er langsam lauter.
Fotografieren ist nicht selten eine komplizierte Angelegenheit und ich bin schon des längeren auf der Suche nach einem Video, welches, zumindest ein bißchen, diesen Prozess wiedergibt. Folgendes Video ist mir bei dieser Suche aufgefallen. In diesem kurzen Video dokumentiert Brad Kremer den kanadischen Fotografen Michael Levin, bei einigen seiner Aufnahmen in Japan. Es ist Schade, dass es so kurz ist und leider nur wenig die Langwierigkeit und Umstände erahnen läßt, die eine einzige Aufnahme bedeuten kann. Jedoch glaube ich, dass es sehenswert ist.
Häufig fotografiert Michael Levin an Gewässern, wo er, mithilfe von Langzeitbelichtungen, das Wasser fast verschwinden lassen kann, sodass die eigentlichen Motive in einer milchig nebeligen Substanz zu ruhen scheinen. Ein Effekt der vielen seiner Bilder eine surreale Stimmung verleiht und auf das Wesentliche konzentriert. Dass er eigentlich fast nur in schwarz/weiss fotografiert (ich habe noch nie ein Farbfoto von ihm gesehen) verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Vielleicht fotografiert er deshalb so gerne in Japan. Seine meist minimalistischen Bilder wirken sehr von japanischer Kunst und Design inspiriert.
Natürlich ist ein Betrachten des Videos in Vollbild ein Muss!
Welche Worte kann man, angesichts der unfassbaren Katastrophe, finden? Ein Jahrhundert-Erdbeben, ein gewaltiger Tsunami und, um dem ganzen noch eine Krone aufzusetzen, der atomare GAU oder eventuell auch Super-GAU.
Zehntausende Menschen sind ums Leben gekommen und in vielen Gebieten sind Dörfer, Städte und Infrastrukturen zerstört oder verstrahlt. Eine Wirtschafts- und Kulturnation ist schwer verletzt, aber die Menschen zeigen eine, für unsere Augen, erstaunliche und bewunderswerte Ruhe und Disziplin.
Es wird sicher viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis Japan dieses Unglück überwunden hat. Ich wünsche den betroffenen Menschen alles Gute auf ihren Weg dahin.