Früher war alles besser

Ich weiß, dieses Gefühl hat wohl eher psychologische und neurologische Gründe. Früher war eben nicht alles besser, sondern die negativen Gefühle in unseren Erinnerungen, werden vom Gehirn ausgefiltert.

Zuletzt hatte ich dieses “Früher war alles besser“-Gefühl, als ich mir, nach langer Zeit, meine erste Spiegelreflexkamera ansah – meine Pentax MX. Ich weiß nicht mehr genau, wieviele Monate ich damals gespart hatte, damit ich sie mir endlich kaufen konnte. Ich weiß nur noch, dass es ziemlich lange gedauert hat und so war die Begeisterung, die Kamera dann endlich in den Händen zu halten, natürlich besonders groß. Was habe ich nicht alles mit ihr erlebt? Auf so vielen großartigen Reisen hat sie mich begleitet und was für tolle Bilder habe ich dort und Zuhause mit ihr gemacht. Sicher, die Nikon F3HP, die ich später hatte war, technisch gesehen, um vieles besser – ein Quantensprung. Aber es war halt nicht meine erste SLR, obwohl ihr, wie der Pentax ein anderes Fotografieren als mit heutigen DSLRs anhaftet.

Beide sind analoge Kameras und die analogen Fotografie bedeutet halt, dass man anders fotografiert. Wegen der, im Gegenteil zu Photoshop und Konsorten, doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten der Nachbearbeitung ist man, egal ob es die Belichtung, Komposition oder den Bildaufbau angeht, immer gezwungen genauer und besser zu fotografieren, als wie es digital notwendig ist. Heute kann man noch aus so mancher (‘tschuldigung) Scheißaufnahme so einiges herausholen und doch die eine oder andere positive Überraschung zaubern. So kommt es auch, dass man wirklich gute Fotografen daran erkennt, dass sie nicht nur mit umfangreichen Equipment, sondern auch mit einfachen Möglichkeiten oder Kameras und halt auch analog, großartige Bilder machen können.

Aber die digitale Fotografie ist bequem. Wenn früher der Familienvater seinen Film endlich zum Entwickeln gegeben hat kam es nicht selten vor, dass Ostern, der Ausflug ins Phantasialand und Weihnachten gemeinsam auf diesen 36 Fotos zu finden waren. Dank der digitalen Möglichkeiten wird heute viel mehr (zuviel?) als früher fotografiert und fast kann man meinen, dass der Tod der analogen Fotografie nur noch eine Frage der Zeit ist. Viele Hersteller von Filmen haben ihre Produktionen gedrosselt oder teilweise schon ganz eingestellt. Nur noch die Nachfrage von einigen Profis, Fotokünstlern und den, weltweit doch immer zahlreicheren Lomografen und Jüngern der Holga, hält diesen Bereich noch am Leben.

Ich gebe zu, es ist schon länger her, dass ich einen Film belichtet habe. Meine Pentax und meine F3 haben mich aber wieder verzaubert. Ich werde mir heute noch ein paar Filme kaufen.

Pentax MX

Pentax MX // © Axel Setzer

Leave a Reply

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 

Gezwitscher