Not my president!

Liebe Mutti Merkel,

na, das war aber eine schwere Geburt.

Nein, Du lässt dich nicht beirren. Auch wenn zuerst über vierzig Abgeordnete aus Deiner eigenen Koalition gegen Deine Wahl und damit auch gegen Dich gestimmt haben. Wichtig ist, was am Ende heraus kommt, nicht war?

Egal, dass die Mehrheit des Volkes viel lieber Joachim Gauck in diesem Amt gesehen hätte, weil er mehr Ausstrahlung und ein Rückgrad hat. Du brauchst Wulff und wir wissen ja alle, warum Du ihn als Kandidat auserkoren hast. Du brauchst in Zukunft einen Präsidenten, der ohne zu murren alle Deine Gesetze abnickt. Köhler hatte da ja ein paar mal zu oft gezögert.
Manche sagen auch, dass Du ihn auch auserwählt hast, weil Du so noch, nach Merz, Koch oder Rüttgers, einen weiteren Konkurrenten im eigenen Hause loswerden konntest. Naja, ob Wulff wirklich ein Konkurrent hätte werden können?

Du wirst es bestimmt noch einige Male wiederholen. Ja, du beherrschst das Streuen von Sand, in die Augen Vieler. Wie ging der Spruch noch mal? Ja genau: “Christian Wulff wird ein Präsident für alle Deutschen sein.”

Nun, – ich sage dazu – au contraire!

Mutti, dieser blasse, weil aalglatte Berufspolitiker mit seiner, obwohl Katholik, bisher kaum beachteten kuriosen Tätigkeit bei christlichen Fundamentalisten*, wird niemals von der Mehrheit der Menschen anerkannt. Mir schaudert’s schon, wenn ich daran denke, wie er seine, aus leeren Worthülsen bestehenden, Ansprachen mit seinem dummen Grinsen im Gesicht vorträgt. Brrrrr.
Da hilft auch nicht, dass er eine junge und “attraktive” Ehefrau hat, wie jetzt so gerne in den Medien kolpotiert wird (Wow, cool – jetzt sogar eine First Lady mit einem super hippen Tatoo!), um die Menschen zu beruhigen und ihnen Deine Wahl zu verkaufen.

Christian Wulff ist nicht mein Präsident. Ich und sehr viele andere Menschen erkennen diese kalkuliert und undemokratisch eingesetzte Fragwürdigkeit nicht als unser Staatsoberhaupt an.

Mutti, ich und viele andere sind zum Glück zuversichtlich, dass Du diese Legislaturperiode nicht überstehen wirst. Besonders Guido macht, mit seiner lustigen neoliberalen Schar, ja alles um eure Traumkoalition abzuwirtschaften. Fleißig seid Ihr dabei die Gesellschaft zu spalten, Menschen und ihre Familien zu ruinieren, dreist den besser besser Besserverdienern das Geld in die Taschen zu schaufeln, welches Ihr den Armen genommen habt, das außenpolitische Ansehen Deutschlands in der Welt zu zerstören und sonst auch alles zu tun, was Euch die Lobbyisten sagen.
(Ich weiß, Schroeder hat das auch gemacht. Nun, das macht es nicht besser und, wenn wir ehrlich sind, Ihr strengt Euch dabei besonders an)

Mutti, Deine Tage an der Macht (die Dein ganzer Lebensinhalt ist und die Du mit allen Mitteln zu verteidigen und auszubauen versuchst) sind gezählt. Irgendwann funktioniert das nicht mehr, mit dem Aussitzen.

Und weißt Du was das schönste ist? Wir können uns schon auf den kommenden Treppenwitz der Geschichte freuen:

Wulff wird der Bundespräsident sein, der Dir und Deinen unfähigen Konsorten die Entlassungsurkunden in die Hand drücken wird!

Ich kann es kaum erwarten.

* Christian Wulf gehört zum Kuratorium der evangelikalen Missionsbewegung ProChrist, die sich u.a. durch Schwulenhetze hervortut. Weitere Anliegen, dieser und ähnlicher Gruppen ist, neben dem Missionieren, das Ereifern gegen Abtreibung und für (den lächerlichen) Kreationismus. Es wird auch von Bedrohungen gegenüber kritische Journalisten, durch diese Gruppe berichtet. Auch wenn er wegen seines neuen Amtes (nach Druck von außen) vielleicht dort austreten sollte, muß er ja trotzdem deren wirres Weltbild vertreten. Wie kann ein solcher Mensch “unser Präsident” sein?

Nein, ich sitze gerade nicht auf dem Klo

Ich sitze gerade in einem Café und schreibe, weil ich mein Notebook nicht dabei habe, meinen ersten Artikel mit einem Handy und werde ihn auch gleich von hier veröffentlichen.
Man könnte meinen, dass das fast schon was von Twitter hat. Aber natürlich fehlt hier die Beschränkung auf 140 Zeichen und Artikel in einem Blog zwingen einen durch die Quantität zu mehr Qualität. Man wird nicht zu Tweets verführt, wie:

Sitze grad aufm Klo und frage mich – warum kommt da nichts?

Die Welt will nichts von mobilen Schreibblockaden und anderen Alltäglichkeiten wissen. Das ist auch der Grund, weshalb auch viele Netcitizens Twitter links liegen lassen. Auch die Peinlichkeiten von Celebrities, Anbiederungen von Politikern oder Ergüsse anderer Gruppen interessieren selten.
Positiv finde ich lediglich die Möglichkeiten dieses Mediums, wichtige Nachrichten von unterwegs zu verbreiten – Augenzeugenberichte von Leuten über Ereignisse, Katastrophen oder Erstaunlichem. Und ich warte auf den Tweet, der der Welt mitteilt:

Leute, die Bundesregierung ist soeben zurück getreten!

Die Möglichkeiten sind da und mal sehen, ob ich in Zukunft in die Lage komme, so dringend von unterwegs mit dem Handy bloggen zu müßen (möchten?).

Das Grauen geht um im Internet

Et voila – der letzte Hit im Netz.

Ich weiß nicht wie es Anderen geht, aber wenn ich mir dieses Video ansehe, kribbelt es an meinem ganzen Körper – es ist der blanke Horror. Noch schlimmer als das Video selber, ist aber, dass man es nicht abstellen kann. Man ist förmlich gezwungen, weiter zuzuhören und zuzuschauen.

Lang Verdrängtes bahnt sich seinen Weg, zurück ins Bewußtsein. Wie entsteht diese Faszination für dieses, auch wenn es wohl aus Russland kommt, hervorragende Beispiel für die furchtbare Unterhaltung der 70er?  Ist es diese lächerliche Musik oder das, aus heutiger Sicht, debile Gegrinse und Auftreten des Sängers? Ich denke, es ist, für all die, die alt genug sind die 70er miterlebt zu haben, die Erinnerung an die grauenvolle Fernsehunterhaltung dieser Zeit. Es gab (viele!) Leute, die so etwas “schön” und “unterhaltend” fanden. Dass dieses Lied keinen Text hat, macht keinen Unterschied. Die Texte der Schlager und Operetten, mit denen man früher gequält wurde, waren so oberflächlich, nichtssagend und hohl, dass man sie auch weglassen kann.

Ich schreie es heraus. Auch wenn Ihr Jüngeren es nicht glauben mögt, so einen Mist mussten wir uns früher tagtäglich im Fernsehen ansehen und ertragen!

Ok – ich weiß, heute gibt es DSDS, Big Brother, “Reality”-Dokus, Bauer sucht Frau, Punkt 12 und viele andere verdummende und manipulative Sendungen und “Formate” im Fernsehen. Aber wenigstens ist es heute sehr viel wahrscheinlicher, dass man, bevor das Gehirn zu bluten anfängt, umzuschalten kann und dabei doch noch etwas Wertvolleres findet.

Da könnt Ihr mal sehen, wie gut Ihr es heute habt. ;-)

Die Welt ist klein

Man braucht keinen Flug ins Weltall, um zu erfahren wie klein unsere Welt ist. Es reichen einige Langstreckenflüge. Mit Hilfe einer Art Stop-Motion geht`s natürlich noch etwas schneller. DEN-ORD-NRT-SIN-NRT-LAX-DEN, in wenigen Minuten um die halbe Welt.

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Denver to Singapore (and back) in 5 minutes from 9″>David DAngelo on Vimeo.

Die großen Flughäfen dieser Welt sehen meist sehr ähnlich aus. Spätestens aber, wenn man die klimatisierten Terminals verlässt, sich vor einem die automatischen Türen öffnen, bekommt man den ersten Schock. Einen Schlag ins Gesicht, mal kalt, mal heiß und nicht selten – heiß und unglaublich schwül. Kehrt man dann dem Airport den Rücken zu, indem man dann wahlweise im Taxi, Shuttlebus oder Mietwagen über die großzügigen Schnellstraßen fährt, taucht man dann doch plötzlich in eine neue Welt ein. Die Vegetation, die Gebäude, vielleicht die Autos – ihre Kennzeichen, manchmal die Schriftzeichen, die Menschen, die Gerüche und, verfluchter Jetlag, die eigene Stimmung, alles ist dann doch ganz ganz anders.

Die Welt ist klein – die Welt ist ein Dorf – aber das Dorf enthält viele Welten.

Lucy ist tot

Im Alter von 46 Jahren starb am Dienstag eine Frau, die ohne ihr Zutun zu einem gewissen Weltruhm gelangte. Ihr Name ist Lucy Vodden.

Berühmt wurde sie indirekt, weil sie mit Julian, dem Sohn von John Lennon in die gleiche Vorschule ging.

“Ich erinnere mich, Julian und ich malten Bilder auf einer doppelseitigen Staffelei. Wir warfen uns Farbe zu, viel, zum Schrecken der Lehrerin … Julian hatte ein Bild an diesem Tag gemalt, an dem auch sein Vater mit dem Chauffeur vorbei kam, um ihn von der Schule abzuholen.”

Zuhause zeigte Julian stolz seinem Vater das Bild, welches er von seiner 4 Jährigen Freundin gemalt hatte. “That`s Lucy in a sky with diamonds!” Der Titel eines berühmten Liedes war geboren.

John Lennon hat diese Geschichte oft erzählt, aber angesichts des Textes dieses Liedes, den Umständen der Musik ab dem Album Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, den psychedelischen Inhalte des Films zum Album und des Drogenkonsums der Beatles, wurde ihm nicht geglaubt. Man behauptete Lucy in a sky with diamonds wäre ein grobes Akrostichon, welches auf LSD verweisen sollte.

Lucy war Hausfrau und lebte in Surrey (GB) und verstarb an der Krankheit Lupus, an der sie seit 5 Jahren litt. Sie selber mochte den Song und überhaupt “diese Art von Songs” nicht so gerne und verunsichert durch die Vorurteile über das Lied, schwieg sie auch für eine lange Zeit.

“Als Teenager machte ich den Fehler einigen Schulfreunden zu erzählen, dass ich die Lucy aus dem Song bin. Aber sie sagten: “Nein, das bist nicht du. Meine Eltern haben gesagt, dass es um Drogen geht.” Zu dieser Zeit wußte ich nicht was LSD war und behielt es deshalb ab da für mich.”

Lucy Vodden verband bis zuletzt eine Freundschaft mit Julian Lennon. Mit ihrem Tod wird sie ein letztes Mal in das Bewußtsein der Weltöffentlichkeit geholt und Alle, die ihre Geschichte noch nicht kannten, lernen sie nun kennen.

12:34 Uhr und 56 Sekunden, am 7.8.09 …

… und nichts ist passiert.

Der magische Zeitpunkt ist vergangen und – gähn – wieder ist die Welt nicht untergegangen, noch ist sonst etwas Außergewöhnliches passiert. Diverse Numerologen wollten uns ja mal wieder darauf vorbereiten.

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Exodus // © Axel Setzer

Es ist natürlich nicht so, dass ich daran geglaubt hätte. Dieses leicht voraussehbare Non-event ist immerhin insofern interessant, als dass eine derartige Zahlenreihe nur alle 100 Jahre vorkommen kann. Und abhängig vom Geburtsdatum und Lebenserwartung, hat nicht jeder die Chance einen solchen Zeitpunkt zu erleben.

Na ja, auch wenn unsere Zeitmessung relativ und beliebig ist und dem Universum so was von total egal ist, wer`s überhaupt registriert hat, konnte vielleicht doch für eine Sekunde etwas Besonderes bewusst erfahren. – Man lebt!

Das Bild im Fotoblog öffnen.

Bizarres aus der Parallelwelt

Nach den Berichten der letzten Monate, über das Säbelrasseln aus Nordkorea, wurde im Juli Sensationelles aus dem Land des kleinen Diktators Kim vermeldet. Im nordkoreanischen Fernsehen wurde der erste komerzielle Werbespot gesendet. Die Brauerei Taedonggang preist ihr gesundheitsförderndes Reisbier an. Dieses konnte man herstellen, nachdem man 2002 in Großbritannien eine Brauerei gekauft und hierhin transportiert hatte.

Nun – da kann einem schon ein kalter Schauer den Rücken herunterlaufen. Bizarres aus einem Land, dessen Menschen in einer surrealen Karikatur einer Diktatur, die leider zu real ist, leben. Es ist natürlich unwahrscheinlich, dass die millionen hungernden Menschen, außerhalb von Pjöngjang, jemals die Möglichkeit bekommen ein solches Bier zu trinken. Bei der letzten großen Hungersnot, ende der 90er Jahre, sind Hunderttausende ums Leben gekommen.

Auch bei uns gibt es natürlich grottenschlechte Werbung. Hier aber noch eine gelungeneres Beispiel:

In Nordkorea hätte wahrscheinlich niemand diese Werbung verstanden. Die dortige Werbung ist da schon besser auf die eigene Zielgruppe abgestimmt. Weltfremde isolierte stramme Parteimitglieder und Funktionäre in Pjöngjang.

Gezwitscher